amaeze
amaeze (dey/she) is a multidisciplinary storyteller and audio description writer. Dey is the founder of Creative Crime, an initiative that builds sustainable online structures for racialized creatives, with a focus on supporting and publishing stories and archives by non-white people connected to Germany.
amaeze is queer, Black, German, and lives with chronic illnesses and diagnoses. In dey’s artistic work, dey engages with precolonial knowledge, human embodiment, resistance within multiple marginalization, and spirituality.
Dey’s texts have been published in magazines and anthologies such as narratif by Perspectives Leipzig, Somatic Social Justice, edited by Aki Krishnamurthy and published by zedela, and Bad Times Poetry, edited by Tamer Düzyol and Alina Plohmann.
This summer, dey’s debut Erotic Fragments will be self-published.
Instagram: @meazymo
heule
Es ist März und ich heule wieder. Dachte Dinge werden besser, aber Dinge werden einfach nur mehr und heiraten meinen Körper ohne mein Einverständnis. In guten und in schlechten Zeiten, sagen die Krankheiten in unterschiedlichen Gewändern. Bis, dass der Tod Sie scheidet, ergänzt der Standesbeamte in seinem Kittel und drückt einen Stempel in die Unterlagen: Chronisch. Das Ding ist, die meisten Krankheiten haben mich gar nicht offiziell geheiratet, wir haben es nie zum Standesamt geschafft, keine Blumen gekauft, keine Anzüge getragen, keine Gäste eingeladen. Niemand kann mir sagen was eigentlich los ist, außer das, was ich schon weiß, aber als wäre das nicht genug, kommen akute Beschwerden dazu, die das Wort akut neu definieren, denn ich müsste erst sterben, um in die Clubs aufgenommen zu werden, die sich mit Worten wie Gastroenterologie schmücken. Bin inzwischen umgezogen in die Hauptstadt, weil das einiges einfacher macht. Hier kann ich Praxen bei Google eingeben und muss keine mehrstündigen Reisen unternehmen, um zum Arzt zu gehen. Aber Leute, ich weiß ganz ehrlich nicht, wie ich arbeiten soll in einem Monat. Aber ich muss, weil zu viel ist unklar, zu viel zu unsichtbar, zu viel nicht erfasst in den Registern graugesichtiger Beamter, ob beim Jobcenter, in Kliniken oder woanders. Und ganz ehrlich, erfasst werden, ist auch so ein heikles Ding in diesem Land. Es ist zum heulen. Ich bin erschöpft und schon seit Jahren. Mein kann nicht mehr hört keiner, weil ich werde immer leiser und meine Stimme bricht, während ich die tausendste Praxis raussuche, auf den tausendsten Termin warte in der Hoffnung auf Antworten, meinen friends schreibe, weil ich support brauche, weil ich das schon seit Jahren mache und immer irgendwas nach hinten schiebe, aufschiebe, weil ich hab eben nur einen Körper mit dem ich schieben kann und in der Zwischenzeit schmerzt mein Gesicht und mein Kopf und mein Nacken und ich schlafe nicht oder schlecht oder wenig und die loops an Flashbacks holen mich wieder ein und ich wecke mich auf, um nicht darein zu fallen, in diese tausend Abgründe dieser fünf Buchstaben und dann das Herzrasen, das nicht richtig atmen können, das nicht zur Ruhe kommen und tausend weitere Sachen, die mich auf Trab halten, aber ich bin kein Pferd und Pferde werden auch müde irgendwann. Werde verschluckt von dieser Welt und lass mir Kiemen wachsen, um unter Wasser zu atmen. Gucke in den Spiegel und heule. Es ist zu viel, zu viel, zu viel. Anflüge von Dysphorie, in meinem Fleisch bin ich wieder Teenie und verzweifelt, weil wie viele Leben soll ich noch geben? Und dann dieses System. So viel Kacke kann ein Mensch nicht produzieren, um auszudrücken wie beschissen es ist. Möchte nach Hause gehen und mich hinlegen für mindestens drei Jahre. Einfach schlafen. Danach mal gucken, ob ich noch Bock habe auf diese Welt. Werd nen Eilbrief senden an Gott und sagen, hey, kannst du mich schon früher abholen? Bitte. Ich weiß ich habe Träume und n calling, aber mir ist das alles zu viel. Das geht sich nicht aus und meine Kraft, die schwindet mit jedem Tag. Mach mir Sorgen, weil es kostet so viel und ich mag nicht mehr, ich mag einfach nicht mehr so leben. An manchen Tagen ist es okay, aber ich geh immer mehr in die Extreme. Mehr Tage, an denen ich aufgebe, manche Tage, an denen ich über allem schwebe.

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