Dr. Anna-Kristina von Haugwitz
I am a physician and, more recently, a writer, living with my family in Germany. During the pandemic, I worked in a clinical setting, where experiences both shaped and initiated my writing. While dealing with severe Long COVID, I began to process these boundary experiences through literature.
My work moves between personal experience, social observation, and existential questions, focusing on what remains of a person when performance, identity, and security begin to collapse. “Is this love? – A system-relevant novella” is my first completed literary project, combining medical reality with a search for meaning, consciousness, and inner resilience. I am currently working on a novel that continues this inquiry, exploring whether a just state is possible — and what it takes for people not to break within it.
In der Luft
Auszug aus „Is this love? – Eine systemrelevante Novelle“
Ich schnalle ab.
Was war das denn jetzt? Zwei Wochen?? Ich war noch nie zwei Wochen krank
geschrieben. Ist das jetzt nicht bisschen übertrieben?
Aber cool! Können wir Kindergeburtstag feiern und Homeschooling genießen.
Wenn ich nicht schlafe.
Und schlafe. Und schlafe. Und schlafe und schlafe.
Und die Schmerzen.
Kopfplatzen. Synapsenknarzen. Wackelbeine.
Es wird ja gar nicht besser! Es wird … schlimmer???
Ich fühle mich nicht nüchtern, sondern eher wie nach einer schlimmen Party.
Mehr Energie habe ich auch nicht nach dem Schlafen. Das ganze Ausruhen bringt
überhaupt nichts. Jede zu schnelle Bewegung führt zu völliger Lähmung,
Muskelschmerzen und einer seltsamen Erschöpfung, die aus den Muskelzellen strömt.
Ich kann nicht mal mehr einen Finger rühren.
Wenn ich zu viel mache, das kann ein Schritt sein oder was Kaltes getrunken, bin ich so
dermaßen fertig, dass ich im Bett vor mich hin vegetieren muss. Ich breche sogar vom
Scheißen zusammen.
Mir tut schon alles weh vom Schlafen, bis mir vom wach sein alles weh tut, ich kann
nicht liegen und nicht stehen.
Ich fresse Ibus wie Drops.
Und was ist bloß mit meinem Gehirn los? In der Mitte scheint ein Donut zu sein, in den
wahllos Gehirninhalt rein fliegt und irgendwo im Bodenlosen verschwindet. Ich kann
keinen klaren Gedanken fassen. Jede weitere Information oder physische Anstrengung
bringt mich an eine bisher unbekannte Grenze. Ist die erreicht, bleibe ich für Tage oder
Wochen liegen.
Die paar anderen Tage, an denen ich aufstehen kann, mache ich Fehler.
Der totale Horror.
Herd brennt.
Keller überschwemmt.
Kein Gedanke bleibt bei mir. Ich weiß nicht, was ich tue, wenn ich mich wegdrehe, ist
es ganz weg.
Meine Wahrnehmung ist völlig verstellt. Es gibt Momente, da weiß ich nicht: Ist das
heiß oder kalt? Ist das weit weg oder nah? Ist das groß oder klein? Woran erkennt man
nochmal, ob es kocht?
Meine Realität hat eindeutig Risse.

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